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Schutz vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV): Die aktuellen Empfehlungen und Optionen in Österreich

Ein unterschätzter Krankheitserreger rückt mit Beginn der kalten Jahreszeit zunehmend in den Fokus der Vorsorgemedizin: Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) gilt als eine der Hauptursachen für schwere Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und älteren Erwachsenen. Dank neuer medizinischer Entwicklungen stehen in Österreich nun effektive Möglichkeiten zur Verfügung, um gefährdete Personengruppen gezielt vor schweren Verläufen zu schützen.

Was ist das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV)?

Das Respiratorische Synzytial-Virus ist ein weit verbreitetes Virus, das die Atemwege befällt. Während eine Infektion bei gesunden Erwachsenen oder älteren Kindern meist wie eine gewöhnliche Erkältung mit Schnupfen, Husten und Halsschmerzen verläuft, kann der Erreger bei Risikogruppen tiefer in die Lunge eindringen.

Dort löst RSV häufig eine Entzündung der feinsten Verästelungen der Bronchien (Bronchiolitis) oder eine Pneumonie (Lungenentzündung) aus. Insbesondere in den Wintermonaten zählt die RSV-Infektion zu den führenden Gründen für spitalspflichtige Erkrankungen bei Säuglingen.

Warum sind Säuglinge und ältere Menschen besonders gefährdet?

Die Gefährdung durch RSV betrifft vor allem zwei Altersgruppen, deren Immunsystem besondere Eigenschaften aufweist:

  • Neugeborene und Säuglinge: Das Immunsystem von Neugeborenen ist noch nicht vollständig ausgereift. Zudem sind die Atemwege bei Säuglingen sehr eng; eine Entzündung und Verschleimung führt rasch zu Atemnotsymptomen.
  • Erwachsene ab dem 60. Lebensjahr sowie Personen mit Chronischen Erkrankungen: Mit zunehmendem Alter lässt die Immunantwort nach (Immunoseneszenz). Bestehen Vorerkrankungen von Herz oder Lunge (z. B. COPD, Asthma, Herzinsuffizienz) oder eine Diabetes-Erkrankung, steigt das Risiko für spitalsauslösende Verläufe spürbar an.

Welche Schutzmöglichkeiten gibt es in Österreich?

Die medizinische Vorsorge unterscheidet bei RSV zwischen zwei wesentlichen Ansätzen: der aktiven Impfung(Aktivierung der eigenen Immunantwort) und der passiven Immunisierung (Verabreichung schützender Antikörper).

  1. Passive Immunisierung für Neugeborene und Säuglinge

Für Säuglinge steht im Rahmen des öffentlichen Kinderimpfprogramms in Österreich eine passive Immunisierung mit monoklonalen Antikörpern zur Verfügung. Dabei werden dem Kind direkt fertige Abwehrstoffe verabreicht, die sofort Schutz gegen das Virus bieten. Die Immunisierung wird in der Regel für Kinder in ihrer ersten RSV-Saison empfohlen und ist kostenfrei über das öffentliche Programm zugänglich.

  1. Impfung während der Schwangerschaft (Maternale Immunisierung)

Schwangere können sich zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche aktiv gegen RSV impfen lassen. Die von der Mutter gebildeten Antikörper werden über die Plazenta an das ungeborene Kind übertragen. Dieser sogenannte Nestschutz schützt den Säugling ab dem Tag der Geburt in den ersten kritischen Lebensmonaten.

  1. Aktive Schutzimpfung für Erwachsene ab 60 Jahren

Für ältere Erwachsene sowie Personen mit bestimmten Risiko-Grunderkrankungen stehen zugelassene Impfstoffe zur aktiven Immunisierung bereit. Gemäß den Empfehlungen des Impfplans Österreich wird die Impfung für Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr empfohlen, um schweren Atemwegsinfektionen und Krankenhausaufenthalten im Winter vorzubeugen.

Der ideale Zeitpunkt für die Vorsorge

Da die RSV-Saison in Mitteleuropa typischerweise in den Herbst- und Wintermonaten verläuft, ist der frühe Herbst der optimale Zeitpunkt für eine Beratung und Durchführung der entsprechenden Maßnahmen. Die Immunisierung sollte nach Möglichkeit vor dem Anstieg der allgemeinen Infektionszahlen abgeschlossen sein.

Zusammenfassendes Fazit

Das Respiratorische Synzytial-Virus ist ein ernstzunehmender Erreger von Atemwegserkrankungen, gegen den dank moderner Medizin gezielte Schutzmaßnahmen zur Verfügung stehen. Ob passive Immunisierung beim Säugling, Schutz durch Impfung in der Schwangerschaft oder die aktive Impfung für Seniorinnen und Senioren – die individuellen Handlungsoptionen hängen vom Alter und den persönlichen Risikofaktoren ab. Eine rechtzeitige Abklärung vor Beginn der Infektsaison schafft Klarheit und Sicherheit.

Beitrag von Dr. Martha Krischmann, Fachärztin für Kinder- & Jugendmedizin