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Pseudokrupp oder Asthma bei Kindern? Symptome unterscheiden und richtig reagieren.

Atembeschwerden bei Säuglingen und Kleinkindern gehören zu den beängstigendsten Situationen für Eltern. Wenn ein Kind plötzlich nach Luft ringt, ungewöhnliche Atemgeräusche von sich gibt oder von Hustenattacken geschüttelt wird, ist rasches Handeln gefragt. Zwei der häufigsten Ursachen für solche Akutereignisse sind der Pseudokrupp (Stenosierende Laryngitis) und ein Asthmaanfall beziehungsweise infektassoziierte Bronchialobstruktionen. Obwohl beide Krankheitsbilder mit Atemnot einhergehen, betreffen sie anatomisch unterschiedliche Bereiche der Atemwege und erfordern grundlegend verschiedene Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Anatomie der Atemwege: Der entscheidende Unterschied

Um die Symptome richtig einzuordnen, hilft ein Blick auf die Lokalisation der Verengung:

  • Pseudokrupp (Obere Atemwege): Hierbei handelt es sich um eine entzündliche Schleimhautschwellung im Bereich des Kehlkopfes (Larynx) und knapp unterhalb der Stimmbänder (subglottische Region). Weil die Atemwege bei Säuglingen und Kleinkindern naturgemäß eng sind, führt bereits eine geringe Schwellung zu einer deutlichen Einengung der Luftröhre.
  • Asthma bronchiale (Untere Atemwege): Asthma betrifft das Bronchialsystem in der Lunge. Durch eine Kombination aus Verkrampfung der Glatten Bronchialmuskulatur (Bronchospasmus), Entzündung der Schleimhaut (Ödem) und zäher Schleimproduktion (Hypersekretion) verengen sich die feinen Verästelungen der Bronchien.

 

Symptome im Direktvergleich: So unterscheiden Sie die Anfälle

Die charakteristischen Merkmale beider Erkrankungen treten meist unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen auf und unterscheiden sich in Klang und Atemdynamik deutlich:

Merkmal Pseudokrupp (Laryngitis acuta) Asthma bronchiale / Bronchitis
Hauptsächliche Lokalisation Obere Atemwege (Kehlkopf, Stimmbandebene) Untere Atemwege (Bronchien, Lunge)
Typischer Hustenklang Bellernder, trockener Husten (ähnlich dem Bellen eines Seehundes) Trockener Reizhusten oder giemender, pfeifender Husten
Atemgeräusch Inspiratorischer Stridor: Pfeifen/Grummeln vor allem beim Einatmen Exspiratorischer Stridor: Pfeifen/Giemen vor allem beim Ausatmen
Typisches Alter Häufigst zwischen 6 Monaten und 3 Jahren Kann im Kleinkindalter beginnen, oft auch bei älteren Kindern
Typische Tageszeit Plötzlicher Beginn meist nachts aus dem Schlaf heraus Kann ganztags auftreten, oft nach Belastung, Kälte oder nachts
Stimmveränderung Heiserkeit bis hin zum Tonverlust Stimme meist normal, Sprache aber durch Atemnot unterbrochen

 

Erste Hilfe beim Pseudokrupp-Anfall

Ein Pseudokrupp-Anfall verläuft für das Kind – und die Eltern – oft dramatisch. Die wichtigsten Schritte zur Deeskalation:

  1. Ruhe bewahren und ausstrahlen: Angst und Panik steigern den Sauerstoffbedarf und verschlimmern die Atemnot des Kindes erheblich. Nehmen Sie Ihr Kind auf den Arm und beruhigen Sie es.
  2. Kühle Luft zuführen: Kühle Luft hilft, die geschwollenen Schleimhäute im Kehlkopfbereich zu beruhigen. Öffnen Sie ein Fenster, stellen Sie sich mit dem Kind an das offene Fenster oder vor den geöffneten Kühlschrank.
  3. Aufrechte Haltung: Setzen Sie das Kind aufrecht hin. Das erleichtert die Atempfrequenz und verringert die Atemarbeit.
  4. Medikamente nach ärztlicher Anordnung: Wurde von der Kinderärztin oder dem Kinderarzt bereits ein Notfallmedikament (meist kortisonhaltige Zäpfchen oder Notfallsprays) verschrieben, wenden Sie dieses nach Plan an.

 

Erste Hilfe beim Asthmaanfall

Bei einem asthmatischen Anfall steht das Erleichtern der Ausatmung im Vordergrund:

  1. Bronchienerweiterndes Notfallspray nutzen: Wenn eine Asthma-Diagnose vorliegt, nutzen Sie sofort das verordnete rasch wirksame Inhalationsmedikament (Bronchodilatator, oft via Dosieraerosol mit Vorschaltkammer/Spacer).
  2. Atemerleichternde Körperhaltung: Unterstützen Sie das Kind beim Einnehmen des „Kutschersitzes“ (aufrecht sitzen, Hände auf den Oberschenkeln abgestützt) oder des Lippenbremsem-Prinzips, um den Druck in den Bronchien aufrechtzuerhalten und die Ausatmung zu erleichtern.
  3. Panik vermeiden: Auch hier gilt, dass Aufregung die Bronchien weiter verengt.

 

Wann handelt es sich um einen Notfall?

Sowohl bei Pseudokrupp als auch bei Asthma gibt es Warnsignale, die ein sofortiges Handeln erfordern. Wählen Sie umgehend den Notruf (144 in Österreich / 112 europaweit), wenn Sie folgende Symptome beobachten:

  • Deutliche Einziehungen der Haut im Bereich der Rippen, des Schlüsselbeins oder am Hals während der Atmung (Retraktionen).
  • Blau- oder Blassfärbung der Lippen oder der Haut (Zyanose).
  • Das Kind ist extrem unruhig, verwirrt, apathisch oder kann nicht mehr sprechen/schreien.
  • Keine Besserung der Atemnot trotz Zufuhr von kühler Luft oder Gabe der Notfallmedikamente.

 

Zusammenfassung

Obwohl Pseudokrupp und Asthma bronchiale beide zu akuter Atemnot führen können, lassen sie sich anatomisch und klinisch klar abgrenzen. Während Pseudokrupp die oberen Atemwege betrifft und sich durch bellernden Husten sowie Pfeifen beim Einatmen zeigt, betrifft Asthma die unteren Atemwege mit erschwertem, pfeifendem Ausatmen. In beiden Fällen ist das Bewahren von Ruhe die wirksamste erste Maßnahme, ergänzt durch kühle Luft beim Pseudokrupp bzw. bronchienerweiternde Inhalationsmedikamente bei bekanntem Asthma.