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Schwanger im Sommer und die erste Zeit mit dem Neugeborenen: Ein Leitfaden für die heiße Jahreszeit

Die Sommermonate bringen für werdende und frischgebackene Mütter ganz besondere Herausforderungen mit sich. Hohe Temperaturen, intensive Sonneneinstrahlung und drückende Hitze belasten den Kreislauf von Schwangeren und Neugeborenen gleichermaßen. Als Hebamme begleite ich Familien intensiv durch diese Phase. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, worauf Sie vor und nach der Geburt im Sommer besonders achten müssen, um die warme Jahreszeit sicher, beschwerdefrei und glücklich zu genießen.

 

 

1. Vor der Geburt: Tipps für Schwangere an heißen Tagen

In der Schwangerschaft läuft der weibliche Stoffwechsel ohnehin auf Hochtouren, wodurch die Körperkerntemperatur leicht erhöht ist. Sommerhitze wird daher oft als doppelt so anstrengend empfunden.

 

 

Kreislauf stabilisieren und Flüssigkeitshaushalt regulieren
Die wichtigste Grundregel im Sommer lautet: Trinken Sie ausreichend. Der Flüssigkeitsbedarf ist im Sommer erhöht, an heißen Tagen sollten es mindestens 2,5 bis 3 Liter täglich sein.

  • Die richtige Wahl: Bevorzugen Sie Leitungswasser, stilles Mineralwasser, ungesüßte Kräuterteee (z. B. abgekühlter Pfefferminz- oder Melissentee) oder stark verdünnte Fruchtsäfte. Vermeiden Sie eiskalte Getränke, da der Körper zusätzliche Energie aufwenden muss, um diese zu erwärmen, was die Schweißproduktion nur weiter ankurbelt.
  • Ernährung: Setzen Sie auf leichte, wasserreiche Kost wie Wassermelonen, Gurken, Tomaten und Salate. Das entlastet den Magen-Darm-Trakt und liefert wichtige Elektrolyte.

 

 

Hilfe bei schweren Beinen und Wassereinlagerungen (Ödemen)
Durch die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft weiten sich die Blutgefäße. Hitze verstärkt diesen Effekt, wodurch Flüssigkeit ins Gewebe sackt – meist in die Füße und Knöchel.

  • Bewegung im Schatten: Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen. Lagern Sie die Beine so oft wie möglich hoch, um den venösen Rückfluss zum Herzen zu unterstützen.
  • Kompression und Kühlung: Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist zwar im Sommer unangenehm, aber die effektivste Maßnahme gegen Ödeme. Kalte Fußbäder, Wechselduschen oder das sanfte Ausstreichen der Beine von den Füßen aufwärts bringen sofortige Erleichterung.
  • Venengymnastik: In den kühleren Morgen- oder Abendstunden kann Venengymnastik hilfreich sein, um den venösen Rückfluss zusätzlich anzukurbeln. Beispielsweise bietet es sich an, abwechselnd jeweils zwei Minuten auf den Zehenspitzen und auf den Fersenballen zu stehen.

 

 

Richtiger Sonnenschutz
Die hormonelle Situation in der Schwangerschaft führt zu einer erhöhten Melaninproduktion. Dadurch wird die Haut anfälliger für Pigmentflecken (sogenanntes Chloasma), die sich schmetterlingsförmig im Bereich von Nase, Stirn und Wangen zeigen. Diese werden durch UV-Strahlung deutlich verstärkt.

  • Nutzen Sie konsequent einen Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF 50) und meiden Sie die direkte Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr vollständig.

 

 

2. Nach der Geburt: Das Neugeborene im Sommer schützen

Neugeborene und junge Säuglinge können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren. Sie schwitzen kaum und sind daher extrem anfällig für Überhitzung (Wärmestau) sowie für Sonnenbrand.

 

Das Dilemma beim Kinderwagen: Achtung vor dem Hitzestau
Ein weit verbreiteter und lebensgefährlicher Fehler ist das Abdecken des Kinderwagens mit einem dünnen Tuch, einer Mullwindel oder einem Handtuch, um das Baby vor der Sonne zu schützen.

Wichtiger Warnhinweis: Unter dem Tuch zirkuliert keine Luft mehr. Es entsteht innerhalb kürzester Zeit ein gefährlicher Treibhauseffekt, bei dem die Temperaturen im Wageninneren auf über 40 °C steigen können. Nutzen Sie stattdessen ausschließlich spezielle Sonnensegel oder Sonnenschirme, die eine freie Luftzirkulation erlauben.

 

 

Die richtige Kleidung für das Sommerbaby
Die Faustregel lautet: Kleiden Sie Ihr Kind im Sommer so, wie Sie sich selbst kleiden – idealerweise in einer dünnen Schicht mehr.

  • Materialien: Wählen Sie atmungsaktive Naturfasern wie Body und Strampler aus reiner Baumwolle oder einer Wolle-Seide-Mischung. Diese Materialien leiten Feuchtigkeit gut ab und verhindern Hitzepocken (Miliaria).
  • Kopfschutz: Ein leichter Sonnenhut mit Nackenschutz und breiter Krempe ist im Freien Pflicht, selbst im Schatten.
  • Nackentest: Ob Ihrem Baby zu warm oder zu kalt ist, fühlen Sie nicht an den Händen oder Füßen, sondern im Nacken. Dieser sollte sich warm und trocken anfühlen. Ist er feucht oder heiß, ist das Kind zu warm angezogen.

 

 

Stillen, Fläschchen geben und Flüssigkeitszufuhr bei Babys
Flasche geben -> wir haben gelernt das gerade im Bereich der Pflege das Wort „füttern“ oftmals sehr kritisch betrachtet wird und vermieden werden sollte weil es den Menschen mit den Tieren gleichsetzt und dadurch abwertend verstanden werden kann, hab mir selber angewöhnt zB. Flasche geben/Verabreichen zu sagen

Säuglinge benötigen im Sommer kein zusätzliches Wasser oder ungesüßten Tee, solange sie ausschließlich gestillt oder mit Pre-Nahrung versorgt werden.

  • Muttermilch passt sich an: Bei Hitze verändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch automatisch – sie wird zu Beginn der Stillmahlzeit wässriger, um den Durst des Babys zu löschen. Stillkinder verlangen im Sommer oft nach kürzeren, dafür häufigeren Mahlzeiten.
  • Vorsicht vor Wasserintoxikation: Die Gabe von zusätzlichem Wasser kann bei Neugeborenen die empfindlichen Nieren überfordern und zu einer lebensgefährlichen Elektrolytverschiebung führen. Wenn Sie Flaschennahrung geben, bereiten Sie diese genau nach Anleitung zu und bieten Sie sie bei Bedarf einfach etwas häufiger an.

 

 

Fazit und Takeaway

Der Sommer mit Babybauch oder Neugeborenem erfordert Achtsamkeit, Flexibilität und Ruhe. Für Schwangere stehen die ausreichende Flüssigkeitszufuhr und das Hochlagern der Beine im Vordergrund. Beim Neugeborenen gilt es, direkte Sonne strikt zu meiden, die Luftzirkulation im Kinderwagen sicherzustellen und sich ganz auf den natürlichen Rhythmus des Kindes beim Fläschchen geben oder Stillen einzulassen. Verlegen Sie Aktivitäten in die kühlen Morgen- oder Abendstunden und gönnen Sie sich und Ihrem Kind ausgiebige Ruhephasen.