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Zwei Dosen für lückenlosen Schutz: Warum die Zweitimpfung gegen Masern entscheidend ist

Die Masernimpfung zählt zu den wirksamsten Präventionsmaßnahmen der modernen Medizin. Dennoch hält sich hartnäckig die Frage, warum ein einmaliger Termin in der Arztpraxis nicht ausreicht. Der Grund liegt nicht in einer Auffrischung im klassischen Sinne, sondern in einer immunologischen Absicherung: Erst die zweite Teilimpfung schließt verbleibende Immunitätslücken und sorgt für jenen langfristigen Gemeinschaftsschutz, der den Ausbruch von Masern-Epidemien zuverlässig verhindert.

  1. Erstimpfung vs. Zweitimpfung: Der feine Unterschied im Immunsystem

Bei der Masernimpfung handelt es sich um einen Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Viren. Das Immunsystem reagiert auf diesen Reiz mit der Bildung spezifischer Antikörper und Gedächtniszellen.

  • Dosis 1 (Schutzrate ca. 92–95 %): Die überwiegende Mehrheit der geimpften Personen baut bereits nach der ersten Dosis einen belastbaren Schutz auf. Allerdings verbleibt ein kleiner Prozentsatz sogenannter Impfversager(Primary Vaccine Failure). Bei diesen Personen reagiert das Immunsystem beim ersten Kontakt – etwa durch noch vorhandene mütterliche Antikörper im Säuglingsalter oder individuelle immunologische Faktoren – nicht ausreichend.
  • Dosis 2 (Schutzrate ca. 98–99 %): Die zweite Impfung ist primär keine „Auffrischung“ (Booster), sondern eine Sicherheitsmaßnahme für diejenigen, bei denen die erste Dosis keine ausreichende Immunantwort ausgelöst hat. Durch die zweite Dosis werden nahezu alle Personen erreicht, die nach der ersten Dosis ungefüllte Schutzlücken aufwiesen.

 

  1. Empfohlener Impfzeitpunkt nach dem österreichischen Impfplan

Um Säuglinge und Kleinkinder so früh wie möglich vor einer Infektion zu schützen, sieht der Österreichische Impfplan ein klares Zeitfenster für die Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) vor:

Teilimpfung Empfohlenes Alter Zielsetzung
1. Teilimpfung Ab dem vollendeten 9. Lebensmonat Frühestmöglicher Aufbau der Grundimmunität
2. Teilimpfung Mindestens 4 Wochen nach der 1. Dosis Schließen verbleibender Immunitätslücken

Hinweis für Erwachsene: Wer in der Kindheit gar nicht oder nur einmal geimpft wurde, kann und sollte die zweite Dosis in jedem Alter nachholen. In Österreich steht der MMR-Impfstoff an öffentlichen Impfstellen kostenfrei zur Verfügung.

  1. Gemeinschaftsschutz (Herdenimmunität) und Eliminierung des Virus

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten überhaupt: Eine einzige infizierte Person steckt in einer ungeschützten Umgebung im Schnitt 12 bis 18 weitere Personen an.

Um die Zirkulation des Masernvirus in der Bevölkerung vollständig zu unterbrechen und Menschen zu schützen, die aus medizinischen Gründen selbst nicht geimpft werden können (z. B. Säuglinge unter 9 Monaten oder schwer immunsupprimierte Personen), ist eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 % mit zwei Dosen erforderlich.

Fazit

Die zweite Masernimpfung ist kein überflüssiger Zusatztermin, sondern der entscheidende Schritt zur Schließung individueller Immunitätslücken. Sie stellt sicher, dass nahezu 100 Prozent der Geimpften verlässlich geschützt sind, und leistet gleichzeitig einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz der gesamten Gemeinschaft.

 

Beitrag von Dr. Anne Stein, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Allergologie